Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Fuerteventura: Fulani Messuds verlorener Kampf gegen spanische Behördenwindmühlen

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Fuerteventura: Fulani Messuds verlorener Kampf gegen spanische Behördenwindmühlen

    Es ist eine sehr traurige und bewegende Geschichte eines Mannes aus Westsahara, der in die zermürbenden Mühlen spanischer Behörden gelangt und nicht wieder hinaus gekommen ist. Fulani ist 70 Jahre alt geworden; seine Leiche wurde vor einigen Tagen auf Fuerteventura in einem verlassenen Haus gefunden:

    In den 1960ern, als Westsahara noch spanische Kolonie war, wurde Fulani im Parador von El Aaiún als Putzkraft eingestellt. Nach Francos Tod zog sich Spanien aus Westsahara zurück, und folglich wurde auch der Parador geschlossen. Fulani wurde zum Parador von Fuerteventura versetzt. Seit 1976 und bis zur Schließung des Paradors in 2012 war er dort angestellt. Manchmal, wenn Not am Mann war, wurde er auch in den Paradores von El Hierro und Teneriffa kurzfristig eingesetzt.

    1980 bekam Fulani spanische Ausweispapiere ausgehändigt; und ab diesem Zeitpunkt war er also spanischer Staatsbürger. Als es in 2009 turnusmäßig um die Verlängerung der Ausweispapiere ging, nahm das Unglück seinen Anfang: Denn laut Datenbank hatte eine andere Person mit demselbem Namen und derselben Herkunft kurz zuvor auf Gran Canaria die Verlängerung der Papiere beantragt und diese auch erhalten, weshalb Fulani leer ausging. D.h. er stand plötzlich und ganz ohne Papiere und auch ohne spanische Staatsbürgerschaft da. Alle Versuche, die Polizeibeamten davon zu überzeugen, dass er tatsächlich er sei, scheiterten. Es kam sogar noch schlimmer, denn er bekam obendrauf noch ein Verfahren wegen Identitätsmissbrauchs angehängt.

    Immerhin begannen im selben Jahr Ermittlungen zur Erhellung der Ungereimtheiten. Es wurden Fingerabdrücke von Fulani genommen und ein Foto zum Abgleich mit bestehendem Datenmaterial im Zentralregister von Madrid. Und siehe da, die neueren Daten stimmten mit den Archivdaten überein; d.h. dass - theoretisch - keine Zweifel mehr an der Identität von Fulani bestanden. Ein Happy End war dennoch nicht in Sicht, sondern der Spießrutenlauf ging weiter. Und zwar über Jahre.

    Wie es überhaupt zu der verhängnisvollen Verwechslung mit dem Namensvetter aus Gran Canaria kam, fand María Greco heraus; seinerzeit Migrantenbeauftragte der Gewerkschaft CCOO, die aktuell für "Entremares"“ arbeitet - eine Vereinigung, die für die Rechte von Migranten eintritt:

    Fulani hatte es seinerzeit versäumt, s/eine Geburtsurkunde beim zentralen Standesamt von Madrid registrieren zu lassen. Das wiederum tat die Behörde von Gran Canaria, … allerdings für den Namensvetter und mit dessen Geburtsjahr 1955.

    Fulani konnte keine Original-Geburtsurkunde vorlegen, und das Justizministerium lehnte es ab, eine außerordentliche Urkunde auszustellen. Der negative Bescheid erging allerdings erst nach langem Warten, nämlich .. in 2015.

    Durch die Intervention des damaligen Inselpräsidenten von Fuerteventura, Mario Cabrera, bekam Fulani zuvor glücklicherweise - zwar zunächst nur für ein Jahr - einen gültigen Ausweis, auch um zur ärztlichen Versorgung nach Gran Canaria reisen zu dürfen und um Arbeitslosengeld zu beantragen. Denn, wie oben bereits erwähnt, verlor Fulani 2012 seinen Arbeitsplatz. Die Inselregierung sorgte dann auch dafür, dass sein Personalausweis um weitere 10 Jahre verlängert wurde.

    Dadurch konnte er wenigstens auch Arbeitslosengeld in Höhe von 425,- Euro monatlich beziehen. Seit seinem 65. Lebensjahr hätten ihm 900,- monatliche Rente zugestanden. Er hätte sie bald sogar ausbezahlt bekommen, denn durch Intervention von "Entremares“ (s.o.) und mit Hilfe des Bürgerbeauftragten sowie mit behördlicher Unterstützung aus Puerto del Rosario / Fuerteventura wurde seine spanische Staatsbürgerschaft einfach und pragmatisch anerkannt und es wurden entsprechende Unterlagen nach Madrid geschickt.

    Bedauerlich ist, dass Fulani gar nichts von der endlich positiven Wendung generell und dem Bezug einer Rente von 900,- monatlich hat. Tragisch ist, dass ihn die Schließung des Paradors und der damit einher gehende Verlust seines Arbeitsplatzes sowie der ganze Stress in Verbindung mit seinen Papieren aus der Bahn geworfen haben. Sein Arbeitsplatz, der sein Lebensinhalt war, gab ihm Halt und seine Familie waren seine damaligen Kollegen.

    Um das würdevolle Begräbnis von Fulani kümmert/e sich … eine Wohltätigkeitsorganisation …

    ---------


    Ich habe das jetzt aus dem Handgelenk übersetzt zusammen gefasst. Wer‘s genau haben will, hier ist der Link – dort gibt es auch ein Foto von Fulani:

    https://www.diariodefuerteventura.co...econocieran-la
    Zuletzt geändert von aurora; 22.08.2019, 23:52.

  • #2
    Identitätsdiebstahl ist heftig.
    Hatte letztens einen Bericht aus D. gelesen, wie schwierig es manchmal ist, da wieder sauber und schuldenfrei raus zu kommen. Ätzend.

    Kommentar

    Lädt...
    X