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Ausländische Arbeitskräfte verdrängen Eingesessene auf dem Arbeitsmarkt

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  • Ausländische Arbeitskräfte verdrängen Eingesessene auf dem Arbeitsmarkt

    Zwischen April und Juni ist die Erwerbsbevölkerung auf den Kanaren insbesondere durch den Zuzug von 12.700 ausländischen Arbeitskräften gewachsen. Darunter waren 7.500 EU-Bürger und 5.500 kamen aus anderen Ländern. Woher diese Nicht-EU-Bürger stammten, war dem Artikel leider nicht zu entnehmen.
    Unter den Eingesessenen gab es indes in diesem Zeitraum 1500 Arbeitslose mehr.

    In der Quelle wird's noch weiter aufgedröselt; m.E. aber ohne nennenswerten Erkenntniszuwachs:
    https://www.eldia.es/economia/2019/0...00/995684.html

  • #2
    Das ist zunächst mal ein Symptom. Hast Du auch einen Kommentar dazu? Würde mich einfach mal interessieren.Und die Meinung von anderen natürlich auch.

    Es ist das Symptom einer komplexen Problematik und ein schwieriges Thema. Bis zu einem gewissen Grad folgt halt auch der Arbeitsmarkt den Gesetzen eines Marktes, es gibt Angebot und Nachfrage.

    Ich bin da etwas hin- und hergerissen und momentan mitten in der Thematik drin.

    Kriterien, die eine Rolle spielen, sind u.a.
    - Qualität der Ausbildung, insbesondere Sprachen, die im Tourismus bei Jobs mit Kundenkontakt trotz der Entwicklung von Übersetzungstechnologien noch unabdingbar sind
    - Bezahlung
    - Arbeitsumfeld
    - Fairness/Behandlung durch den Arbeitgeber
    - Klima und Wetter
    und, und, und

    Jetzt geht es beim Arbeitsmarkt nicht zu wie auf dem Fahrzeug- oder Kartoffelmarkt, weil bei der "Ware Mensch" eben auch Kriterien dazu kommen, wie etwa die evtl. vorhandene Bindung an die Region, an den Freundeskreis und an die Familie und natürlich auch das Zurechtkommen mit der Mentalität.

    Ich glaube, das ist eine sehr individuelle Bewertung der Bedeutung von Kriterien und damit eine individuelle Entscheidung.

    Zur Bewertung der Symptomatik von außen gibt es auch unterschiedlichste Positionen. Die einen fordern eine Abschottung/eine Aufrechterhaltung oder Verschärfung des Protektionismus, die anderen eine weitgehende internationale Durchmischung (warum eigentlich?). Vorteilsnehmer der Arbeitskräftefluktuation sind natürlich auch ganze Beschäftigungszweige, die damit zum einen den Bedarf an Arbeitskräften überhaupt erst decken können, zum anderen aber auch wissen, dass bei Arbeitskräftemangel mehr Geld zu zahlen ist und weitere Anreize gesetzt werden müssen.

    Ich kann da selbst ganz unterschiedliche Strömungen erkennen: EInen Zuzug von Südamerikanern auf die Kanaren, aber auch von schlecht oder nicht bezahlten Praktikanten aus Mitteleuropa, und einen Abzug von Canarios nach Mitteleuropa, in der Hoffnung auf bessere Ausbildung und Bezahlung.

    Ist das nun wünschenswert oder nicht?

    Ich würde es dem Individuum überlassen und dabei die Chancen und Risiken aufzeigen.

    Ich frag mich besonders, ob der Abzug von Canarios mittelfristig der hiesigen Region dadurch nützen könnte, dass diese mit besserer Ausbildung und einer Portion mehr an interessanter Lebenserfahrung eines Tages mal wieder zurückkommen. Wiederum ihre höchst individuelle Entscheidung. Nur eins ist klar, längerfristig lässt die regionale Bindung an Familie, Freunde und Region zumindest bei jüngeren Leuten auch deutlich nach. Kurzfristig beobachte ich viele Rückkehrer.
    Zuletzt geändert von SanLorenzo5; 27.07.2019, 08:10.

    Kommentar


    • #3
      Zitat von SanLorenzo5 Beitrag anzeigen
      Ich kann da selbst ganz unterschiedliche Strömungen erkennen: EInen Zuzug von Südamerikanern auf die Kanaren, aber auch von schlecht oder nicht bezahlten Praktikanten aus Mitteleuropa, und einen Abzug von Canarios nach Mitteleuropa, in der Hoffnung auf bessere Ausbildung und Bezahlung.
      Ja, das beobachte ich auch so. Wobei die peripheren Inseln im ersten Schritt auch einen Fortzug auf die beiden "Mutterinseln" GC und TF haben. Dort gibt es Unis und andere Bildungmöglichkeiten. Viele Studenden gehen zudem aufs Festland, je nach Studienfach. Und die "Resi-Kinder", die hier aufgewachsen sind, verduften zum Teil zum Studium und zur Ausbildung in das Herkunftsland ihrer Eltern/Großeltern. Oder gehen bei uns nach England, weil die Privatschulen britisch-spanische sind, und die Schüler neben Spanisch auch fließend Englisch sowie ihre Muttersprache sprechen. Die allerwenigsten davon kehren auf die Kanaren zurück, weil es hier für viele Berufsfelder gar kein Arbeitsangebot gibt. Insbesondere im Hightech-Bereich und in der Forschung.

      Zitat von SanLorenzo5 Beitrag anzeigen
      Ist das nun wünschenswert oder nicht?
      In unserem Zeitalter mit Flugzeugen, Internet usw. hat die Mobilität generell zugenommen. Das ist einfach so; und also werden sich die Gesellschaften früher oder später darauf einrichten. Der Verändungsprozess ist allerdings anstrengend und geht natürlich nicht reibungslos vonstatten. Ich setze auf die junge Generation. Die ist diesbezüglich im Kopf schon viel weiter als wir alten Säcke.


      Zitat von SanLorenzo5 Beitrag anzeigen
      Ich frag mich besonders, ob der Abzug von Canarios mittelfristig der hiesigen Region dadurch nützen könnte, dass diese mit besserer Ausbildung und einer Portion mehr an interessanter Lebenserfahrung eines Tages mal wieder zurückkommen.
      Ich befürchte, dass es weiterhin "Fuga de cerebros" neudeutsch Braindrain gibt.


      Zitat von SanLorenzo5 Beitrag anzeigen
      Wiederum ihre höchst individuelle Entscheidung. Nur eins ist klar, längerfristig lässt die regionale Bindung an Familie, Freunde und Region zumindest bei jüngeren Leuten auch deutlich nach. Kurzfristig beobachte ich viele Rückkehrer.
      Auch das ist ein sehr komplexes Thema. Zudem erodiert die klassische Großfamilie hier schon länger. Auch wegen der hohen Scheidungsrate. Letzteres bedeutet für viele hier, dass die Kassen besonders knapp sind angesichts der vielen Alleinerziehenden bzw. Patchworkfamilien. Hat natürlich auch Auswirkungen auf den Wohnraumbedarf. Auch das ist eine sehr komplexes Thema.

      Wie in vielen Bereichen ist alles viel komplexter und dadurch unvorhersehbarer geworden. Kommt der deutschen Mentalität nach Ab-/Versicherung und langfristiger Planungswut nicht gerade entgegen :biggrin:

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      • #4
        Es gibt aber auch noch genug ninis, die eben nicht ins Ausland gehen und in Spanien den Kopf in den Sand stecken.

        Spanien ist eines der OECD-Länder mit den meisten jungen Menschen ohne Studium oder Beruf. 22,7% derjenigen zwischen 15 und 29 Jahren sind Ninis. Laut einer Studie derselben Organisation, die schätzt, dass sich 40 Millionen junge Menschen in dieser Situation befinden, liegt dieser Prozentsatz fast acht Punkte über dem Durchschnitt des Clubs der Industrieländer. Es gibt nur drei Länder, alle an der Mittelmeerküste, mit einem höheren Prozentsatz: die Türkei, wo die Situation 29,8% der Bevölkerung betrifft, Griechenland (26,9%) und Italien (24,7%).
        https://elpais.com/economia/2016/10/...96_566873.html

        Neue Ultraschall-Zahnbürste benutzt. Jetzt 127 Fledermäuse und einen Batman im Badezimmer.

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        • #5
          Ja, die Ninis sind ein weiteres Spezialthema. Dass sie Ausbildungsverweigerer sind, ist die eine Sache. Aber dass sie überwiegend auch noch Arbeitsverweigerer sind, ist ziemlich tragisch.

          Gerade im Bereich der Un- und Angelernten gibt es reichlich Konkurrenz aus Südamerika und Osteuropa; da wäre es schon angebracht, den Hintern in Bewegung zu setzen und die Vorteile auszuspielen, die ein Platzhirsch immer hat. Es gibt auf den Inseln durchaus diverse Betätigungsfelder für Angelernte. Sogar sehr viel mehr als für Hochqualifizierte. Mit Selbstmotivation, Ausdauer und Arbeitseifer ist da einiges möglich. Sieht man gerade ganz gut bei den vielen Italienern, die seit einigen Jahren als Un- und Angelernte auf die Inseln und dort überwiegend in die Gastronomie strömen – die Mafia ist übrigens gleich mitgekommen. Früher musste man Pizzerien suchen, mittlerweile säumen sie die Gastrostraßen. Das ging bislang gut, da der Tourismus boomte. Aber nun deuten sich doch klar rückläufige Tendenzen an. Mal schauen, wohin die Reise geht; bzw. wer sich dann durchsetzen wird in der bunten Gastrowelt der Kanaren.

          Darüber hinaus ist das Thema Brexit noch immer nicht erledigt bzw. die Auswirkungen noch überhaupt nicht wirklich abschätzbar. Wobei ich persönlich nicht befürchte, dass der britische Tourismus ausbleiben wird. Mit oder ohne Brexit werden die Briten weiterhin ihrem überwiegenden Schmuddelwetter entfliehen wollen. Haben sie bereits vor dem EU-Beitritt gemacht, und werden es nach dem EU-Austritt sicherlich fortsetzen. Was die Anzahl der Residenten betrifft, wird es sich noch zeigen, welche Auswirkungen es geben wird. Das ist sehr spannend und natürlich von den Verhandlungsergebnissen abhängig. Denn die Frage ist, ob auch in Zukunft die Briten mal eben locker hierher werden ziehen können/dürfen als EU-Ausländer. Auch auf den Immobilienmarkt hätte das deutlich spürbare Auswirkungen.

          Mit den zahlreichen britischen Rentnern ist ein Tross von (zum Teil exzellenten) britischen Handwerkern und Dienstleistern hergekommen, da Briten ganz besonders gerne unter sich bleiben. Kommen in Zukunft deutlich weniger britische Rentner (und gehen umso mehr), werden viele Erwerbstätige von ihnen hier in die Röhre gucken und wohl oder übel zurück kehren, selbst wenn der Brexit-Deal vermutlich einen Bestandsschutz für EU-Migranten beinhalten wird. Dadurch könnte sich das derzeitige Blatt deutlich wenden.

          Es bleibt spannend.
          Zuletzt geändert von aurora; 27.07.2019, 20:55.

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          • #6
            Nun, die Waffe des Protektionismus hat dem Eindringen fremder Arbeitskräfte jedenfalls nur bedingt Einhalt geboten. Wäre die Protektionismuswaffe für das Abhalten ausländischer Investoren genauso stumpf, würden ja vielleicht auch ein paar Arbeitsplätze mehr entstehen. Aber das ist mir echt egal, inzwischen.

            Ich kenne ein paar ziemlich gut qualifizierte junge Leute aus Nicht-EU-Ländern, die hier in wirklich mies bezahlten Jobs arbeiten müssen, weil ihre Ausbildung in der EU nicht anerkannt wird. Und ich kenne ein paar no-ninis, die gerade dabei sind, sich im Ausland zu bewerben.

            Wie gesagt, dass sollte man den Leuten selbst überlassen.

            Obwohl ich eher ein Oldie bin, stell ich mir aktuell die Frage mal wieder selbst, ob ich hier weiter die ruhige Kugel schiebe, oder mal wieder ein Projekt in D mache. Ist halt so Faktor 10 vom Verdienst her, aber halt auch bzgl des Stress. Durch den bei mir eingesetzten Verkanarisierungsprozess wäre ich den Anforderungen vermutlich eh nicht mehr gewachsen. Obwohl...

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            • #7
              Zitat von SanLorenzo5 Beitrag anzeigen
              Obwohl ich eher ein Oldie bin, stell ich mir aktuell die Frage mal wieder selbst, ob ich hier weiter die ruhige Kugel schiebe, oder mal wieder ein Projekt in D mache. Ist halt so Faktor 10 vom Verdienst her, aber halt auch bzgl des Stress. Durch den bei mir eingesetzten Verkanarisierungsprozess wäre ich den Anforderungen vermutlich eh nicht mehr gewachsen. Obwohl...
              Also ich bin definitiv nicht mehr kompatibel für die Arbeitswelt - zumindest in einem größeren "Laden" - in D-Land. "Compliance program", "Code of Conduct" sowie die gesamte Kulissenschieberei im Zertifizierungstheater, garniert mit der unsäglichen (Pseudo-)Messung der Kundenzufriedenheit ("Customer-Satisfaction-Index") usw. würden mir sowas von am Allerwertesten vorbei gehen, dass mir vermutlich wegen vollkommen fehlender Arbeitsmoral bereits in der Probezeit gekündigt würde

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